Familienforschung in Deutschland: Standesamt, Personenstandsregister und Sammelakten
Inhalt
Eigentlich ist es ziemlich unkompliziert, Familienforschung zu betreiben und Daten zur eigenen Familiengeschichte zu erforschen, um so endlich alte Fragen und Geheimnisse aufzuklären.
Viele Menschen wissen das aber nicht, und fangen deshalb gar nicht erst damit an.
Es sei denn, das Bedürfnis wird größer und größer, weil man spürt, dass man eine Lücke füllen möchte:
In einer Facebook-Gruppe für Kriegsenkel fragte letztens eine Frau, ob sie heute noch etwas über ihren Zwillingsbruder herausfinden könne, der in den 50er Jahren bei der Geburt gestorben sei.
Sie suchte nach Antworten, die ihre Mutter ihr zeitlebens verweigert hatte. Jetzt, wo die Mutter verstorben sei, wäre es an der Zeit, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.
Ich habe der Frau folgende Hinweise gegeben, und stelle sie hier zur Verfügung, in der hoffnung, dass auch du deine ungelöste Familienfragen damit lösen kannst.
Erste Antworten auf lange gehütete Geheimnisse der Familiengeschichte
Seit 1874 gibt es in Deutschland Standesämter, und somit amtliche Register für Geburten, Hochzeiten und Sterbefälle (Personenstandsregister). Ab diesem Zeitpunkt waren alle Bürger verpflichtet, sogenannte “Personenstandsfälle” eintragen zu lassen.
Die Standesämter haben eine gesetzliche Auskunftspflicht, auf die man sich als Betroffener oder direkter Nachfahre berufen kann. Das heißt: man darf eine Anfrage beim Standesamt stellen und Urkunden oder Registerauszüge anfordern zu deinen direkten Vorfahren (und Ehepartnern), auch wenn diese noch innerhalb der gesetzlichen Schutzfristen liegen.
Gesetzliche Schutzfristen
- Geburten
- Ehen
- Sterbefälle
– 110 Jahre
– 80 Jahre
– 30 Jahre
Sind diese Fristen abgelaufen, dann müssen die Akten an das zuständige staatliche oder kommunale Archiv (Stadtarchiv, Kreisarchiv oder Landesarchiv – je nach Bundesland) abgegeben werden. Dann gilt dafür nicht mehr das Personenstandsgesetz, sondern das Archivrecht, und das heißt: jede Person darf die Daten anfragen und bekommt Auskunft.
Das Archiv entscheidet jeweils über Kosten und Dauer der Bearbeitung.
Das kannst du in Personenstandsregistern alles erfahren
Zuerstmal findest du natürlich
Geburten
Heiraten
Todesfälle
…und dazu standardmäßig jeweils die Daten
der Betroffenen
der Eltern oder
Ehepartner
die aktuelle/letzte Adresse
den Beruf
die Todesursache, und natürlich
die Person, die die Meldung beim Beamten gemacht hat.
Aber das ist nicht immer alles:
Randvermerke in Personenstandsregistern
Der clevere Beamte erfasste in sogenannten Randvermerken auch weitere Informationen, sowie Verweise zu anderen Akten, die mit der betroffenen Person in Verbindung stehen (dessen Geburt/Tod/Ehe/Kinder). Außerdem findet man Nachträge, die zu späterem Zeitpunkt hinzugefügt wurden.
Das kann unter anderem sein:
uneheliche Kinder
zweite, dritte, vierte Ehen
Scheidungen
Namenswechsel
Adoptionen und nachträgliche Legitimationen
verschwundene Väter
vermutete Aufenthalte
„plötzliche“ Todesfälle
Und dann ist da noch was: Sammelakten im Standesamt
Die am meisten unterschätzte Quelle für Informationen zur eigenen Familie ist und bleibt die Sammelakte. Denn: Zu jedem Personenstandsfall sammelt das Standesamt alle Unterlagen, die dafür eingereicht wurden.
Das sind z. B.:
Bei einer Geburt
Geburtsanzeige des Krankenhauses oder der Hebamme
Heiratsurkunde der Eltern
Anerkennung der Vaterschaft
Namensbestimmung
manchmal handschriftliche Erklärungen
Bei einer Heirat
Geburtsurkunden beider Partner
Ledigkeitsnachweise
Scheidungsurteile früherer Ehen
Auszüge aus ausländischen Registern
Genehmigungen
Bei einem Todesfall
Todesbescheinigung
Krankenhausmeldung
manchmal Hinweise zu Wohnort, Angehörigen, Sterbeort
Und das ist erst der Anfang
Familienforschung scheitert selten an fehlenden Daten.
Sie scheitert eher daran, dass Menschen nicht wissen, wie sie mit Ahnenforschung beginnen oder welche Unterlagen sie anfordern müssen.
Im Fall der Fragestellerin, die auf der Suche nach ihrem Zwillingsbruder ist, gäbe es sogar noch weitere Quellen, die sich lohnen. Z. B. das Archiv der Geburtsklinik, Kirchenbücher für Ahnenforschung oder die Friedhofsverwaltungen (Grab- und Belegungsregister).
Der wichtigste Tipp bleibt aber – einfach mal anfangen. Dann weitersehen. Der nächste logische Punkt erschließt sich oft beim Gehen.
Familienforschung beginnt oft mit einer Anfrage beim Standesamt oder im Archiv und dem Wissen, dass Registerkopien meist mehr erzählen als nur das Datum und den Namen.
Bist du auch neugierig auf deine Familiengeschichte?
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